Veteranen “schießen” jetzt zurück: Eindrücke zwischen fünf Besuchen im Dorf der Freundschaft

Die rasante Modernisierung Vietnams ist inzwischen auch an den Veteranen im Dorf der Freundschaft ablesbar – zumindest oberflächlich. Bereits fünf Mal hat in den letzten sechs Jahren eine Gruppe von Leserinnen und Lesern der Berliner tageszeitung (taz) im Rahmen ihres Programms “Reisen in die Zivilgesellschaft” das Dorf der Freundschaft besucht. Der deutsche Unterstützerverein ist dabei ein wichtiger Partner. Für die meisten deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer – mehrheitlich zwischen 50 und 70 Jahre alt – waren die Bilder vom Vietnam-Krieg prägend in der Jugend und haben das politische Engagement befördert.

Wir alle kennen amerikanische Vietnam-Kriegsfilme und Hollywoods Umgang mit den Kriegsverbrechen. Vietnamesen sind dabei nur Statisten. Dann sitzen wir im Dorf der Freundschaft plötzlich vietnamesischen Veteranen gegenüber. Sie haben vom Leben gezeichnete Gesichter. Während bei uns gegen den Krieg demonstriert werden konnte, mussten sie mit einfachen Mitteln gegen die tödlichste Kriegsmaschinerie der Welt kämpfen. Sie sind meist einfache Menschen vom Land, deren Leid und das ihrer Kinder bis heute weiter gehen. Wir sind erstaunt und betroffen, wie oftmals abgeklärt sie von etwas berichten, das für uns unvorstellbar ist. Sie haben gelernt, Agent Orange als Schicksalsschlag hinzunehmen, dabei wissen alle, dass es von Menschen gemacht ist.

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Die Begegnungen sind herzlich. Die Veteranen freuen sich über unser Interesse. Früher haben stets nur die Deutschen dies mit ihren Fotoapparaten festgehalten. Vor zwei, drei Jahren zog dann plötzlich ein erster Veteran eine kleine Digitalkamera aus der Hose. Jetzt beim letzten Besuch im Januar zückten schon mehrere Veteranen Smartphones und “schossen” wie selbstverständlich zurück.

Sven Hansen ist taz-Asienredakteur und leitet die taz-Leserreisen in Vietnams Zivilgesellschaft. Die nächste Reise findet voraussichtlich Anfang 2018 statt.