
Seit zehn Jahren ist ein Traum Wirklichkeit: Seit zehn Jahren lebt das “Dorf der Freundschaft”. Am 18. März dieses Jahres feierten unter Beteiligung der vietnamesischen Vizepräsidentin Mrs. Nguyen Thi Doan etwa 200 Personen am Rande der Millionenmetropole Hanoi das zehnjährige Bestehen des Projekts. Und in Deutschland wurde es im September durch die zivil-Herausgeberin, die “Evangelische Arbeitsgemeinschaft zur Betreuung der Kriegsdienstverweigerer” (EAK), mit dem “Friedrich Siegmund-Schultze Förderpreis für gewaltfreies Handeln” ausgezeichnet (siehe unten).
Das “Dorf der Freundschaft” ist in seiner Art
einmalig: Es ist ein internationales Versöhnungs- und
Verständigungsprojekt, in dem teils ehemalige
Kriegsteilnehmer und -gegner engagiert sind,
mit dem Anspruch, durch gewaltfreies Handeln
die Wunden und Spätfolgen des bomben- und
biochemiewaffenreichsten Krieges des 20. Jahrhunderts
zu heilen und zu lindern. Auch in der
dritten Nachkriegsgeneration, 32 Jahre nach dem
offiziellen Ende des Krieges, werden immer noch
Kinder mit Chromosomenveränderungen, Missbildungen
und Behinderungen körperlicher, emotionaler
und geistiger Art geboren. Die Anzahl
dieser Kinder nimmt nicht ab – und die Missbildungen
werden zum Teil noch schlimmer.
Weitere zehn Jahre waren es anschließend, bis aus der wundersamen Idee, aus viel Überzeugungsarbeit, aus Plänen, Anträgen und Bauarbeiten am 18. März 1998 endlich die Einweihung dieser bis heute in Vietnam einmaligen Einrichtung Wirklichkeit wurde. Die Einweihung des Dorfes und die ersten Jahre der Arbeit hat George Mizo noch miterlebt. Er verstarb jedoch viel zu früh, am 18. März 2002.
40 weitere Personen im Dorf sind ehemalige vietnamesische Kriegsveteranen, die neben Schuss- und Bombenverletzungen auch an den unheilbaren Spätfolgen durch den Einsatz von biochemischen Kampfstoffen leiden. Der Bekannteste ist jener mit dem hochgiftigen Dioxin. Gelagert und transportiert in Fässern, die mit einer orangefarbenen Banderole markiert waren: Agent Orange. Vier Millionen Liter davon hat das US-Militär zwischen 1961 und 1971 Über Vietnam versprüht – das sind 336 Kilogramm reines Dioxin.
Die positive Entwicklung des Projektes hat die vietnamesische Regierung bezüglich der Finanzierung dazu veranlasst, mittlerweile etwas mehr als die Hälfte der laufenden Kosten für das “Dorf der Freundschaft” zu tragen. Alle anderen Mittel wollen auch weiterhin die internationalen Partner aufbringen, nicht zuletzt, um den internationalen Versöhnungsgedanken weiter lebendig zu halten. Neben den bisher gegangenen Wegen mit Spenden und Förderanträgen soll, was die deutsche Unterstützung anbelangt, künftig eine Stiftung zum Zweck der langfristigen Förderung des “Dorfs der Freundschaft” ins Leben gerufen werden.
Dass der Todestag von George Mizo auf den 18. März und somit auf das gleiche Datum wie die Gründung des Dorfes fiel, mag Zufall oder Teil des Vermächtnisses über seinen Tod hinaus sein. Nicht zufällig aber ist geplant, die “George-Mizo-Stiftung” am 18. März 2009 zu gründen.
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Bei der Preisverleihung: Rosi Höhn-Mizo, die Internationale Vorsitzende des “Dorfs der Freundschaft Vietnam” und Witwe von George Mizo, zusammen mit dem EAK-Vorsitzenden Walter Herrenbrück |
“Wenn du überlebst, dann musst du für den Frieden leben” – das sagte sich der US-Soldat George Mizo, als er im Januar 1968 während einer der schlimmsten Schlachten des Vietnamkrieges schwer verwundet wurde. Als Christ und Amerikaner hatte er sich freiwillig nach Vietnam gemeldet, weil er helfen wollte, “den armen und einfachen Bauern Südvietnams gegen die kommunistische Aggression beizustehen”.
Durch seine Kriegsteilnahme wurde ihm klar, dass er dabei mithalf, genau das zu zerstören, was er eigentlich hatte schützen wollen. Er begriff, dass der Krieg höllischer Irrsinn ist, den ausschließlich Menschen – nicht Gott – zu verantworten haben. In dieser Situation fasste Mizo seinen Entschluss: “Wenn Du überlebst, dann musst Du den Rest Deines Lebens den Mund aufmachen gegen den Krieg und für den Frieden leben.” Zwei Tage nach seiner Verwundung wurden alle 450 Mann seiner Einheit bei einem Angriff getötet. Aus dem Militärhospital entlassen, brachte sein “ein für allemal gefasster Entschluss” den mehrfach ausgezeichneten Vietnam-Veteranen ins Militärgefängnis: Wegen “fortgesetzter Befehlsverweigerung” saß er dort zweieinhalb Jahre, bis seinem Antrag auf Entlassung aus der Armee stattgegeben wurde.
Kontakte zu den “International Veterans for Peace” und zur US-amerikanischen Friedensbewegung brachten George Mizo nach Deutschland. Von hier aus setzten er und seine Frau mit Unterstützung aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Japan, Kanada und den USA und – nicht zuletzt – gemeinsam mit Vietnam seine Idee in die Tat um: In der Nähe der Hauptstadt Hanoi ein “Dorf der Freundschaft” aufzubauen. Es bietet Opfern des Vietnamkriegs eine neue Heimat und praktiziert damit tatkräftig Solidarität für Waisen, behinderte und alte Menschen.
Der zweite Preisträger ist die in Deutschland ansässige Initiative “Military Counceling Network”, MCN, deren Ziel es ist, Kriegsdienstverweigerer innerhalb der US-Army auf ihrem schwierigen Weg zu begleiten und zu beraten. zivil wird in der nächsten Ausgabe ausführlich über die Arbeit von MCN berichten.
Der “Friedrich Siegmund-Schultze Förderpreis
für gewaltfreies Handeln” wurde 2008 zum siebten
Mal von der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft
zur Betreuung der Kriegsdienstverweigerer
(EAK) verliehen. Der Preis erinnert an das
friedens- und sozialethische Wirken des evangelischen
Theologen und Ökumenikers Friedrich
Siegmund-Schultze (1885-1969) und will “gute
Taten in Sachen Friedensstiftung aufspüren und
Aufmerksamkeit auf Initiativen oder Personen
lenken, die Widerstand gegen Gewalt praktizieren
und zum Friedenshandeln ermutigen”.
Der Preis ist in diesem Jahr mit insgesamt 6.000
Euro aus privaten Spenden dotiert. W.Sch.
Benefiz-Flötenkonzert
Das Flötenensemble Besigheim feierte sein 30-jähriges Jubiläum
als Benefizkonzert zu Gunsten des Dorfs der Freundschaft.
Wir bedanken uns ganz herzlich!
Radiobericht über das Dorf
Die Journalistin Sabine Gründler hat über
Ihren Besuch im Dorf der Freundschaft eine Radioreportage für domradio.de gemacht.
Mit freundlicher Genehmigung der Autorin geben wir den Beitrag hier
zum anhören wieder.
taz Reise 2010
Das Dorf der Freundschaft ist eines der Ziele der taz Reise nach Vietnam vom 13. bis 28. November 2010. Mehr Informationen zu der Reise gibt es hier.
Erlebnisbericht einer Freiwilligen
Stefanie Weiss arbeitete 2009 acht Wochen als Freiwillige im Dorf. Sie hat für uns einen Bericht verfasst, in dem sie ihre Erlebnisse schildert.